Störungen auf der Lautebene

Störungen auf der Lautebene, die in einem  Wort auftreten, werden als "Phonematische Paraphasien" bezeichnet.
Dabei können einzelne oder mehrere Laute ausgelassen (tuhl statt  Stuhl)  hinzugefügt (Stuhul statt Stuhl) oder
vertauscht (Stuk  statt Stuhl) werden . Die Veränderung kann  soweit gehen, dass das Wort vom Kommunikationspartner
nicht mehr verstanden werden kann.

 

Störungen des Wortschatzes

Störungen des  Wortschatzes  können als sogenannte "Semantische Paraphasien" auftreten.
Der Betroffene möchte beispielsweise sagen: "Ich esse gerne Suppe." Statt des Wortes Suppe benutzt er das Wort "Kuchen" oder
ein beliebig anderes Wort. Häufig werden solche Fehler vom Aphasiker selbst gar nicht bemerkt. Relativ  häufig treten auch 
Wortfindungsstörungen auf. Das gesuchte Wort liegt auf der Zunge, aber es will nicht herauskommen. Ein Phänomen, das die meisten
Sprachgesunden gelegentlich auch haben. Bei einem  Aphasiker kann dies jedoch in fast jedem Satz vorkommen.
Manche Aphasiker können im Extremfall nur noch einzelne Silben oder Floskeln produzieren.

 

Störungen der Grammatik

Störungen der Grammatik treten entweder als starke Vereinfachung der Wortformen auf  ) oder als Probleme  des Satzbaus.
Bei Problemen der Bildung von Wortformen fällt es dem Aphasiker schwer z.B. ein Verb zu konjugieren, d.h. er verwendet es dann in
der Grundform (Infinitiv):"Du fahren".
Probleme des Satzbaus zeigen sich entweder in einer starken Vereinfachung von Sätzen ("Schlecht geworden"; "Krankenhaus gefahren")
oder in der Neigung zur Verschachtelung von Sätzen und Wiederholung einzelner Satzteile.
So können Sätze entstehen wie: "Das Problem ja das Problem  das meine eigene Kraft  also mir reicht das nicht das ist groß
oder auch nicht."

 

Störungen der Artikulation

Mit Störungen der Artikulation werden Schwierigkeiten von Erwachsenen beschrieben, einen Laut richtig zu bilden.
Die bekannteste Form ist das "Lispeln" bzw. der "Sigmatismus". Die Aussprache wird hier dadurch verändert,
dass bei der Artikulation des Lautes /s/ die Zunge z. B. zwischen die Zähne rutscht.

 

Dysarthrien bzw. Dysarthrophonien

Dysarthrien bzw. Dysarthrophonien treten auf, wenn die Verarbeitung des Sprechens im Gehirn z. B. durch einem Schlaganfall bzw.
eine neurologische Erkrankung wie Parkinson oder nach einem Unfall gestört ist. Die Aussprache ist oft sehr undeutlich,
weil vor allem die Beweglichkeit von Zunge, Lippen und Gaumensegel eingeschränkt ist. Gleichzeitig kann aber auch die Stimme
verändert und die Atmung beim Sprechen auffällig sein.

 

Sprechapraxie

Bei einer Sprechapraxie liegt das Problem in der sogenannten Sprechplanung, d.h. die einzelnen Artikulationsbewegungen
können nicht ausreichend kontrolliert erfolgen, obwohl die Muskulatur prinzipiell die erforderlichen Einzelbewegungen ausführen kann.
So ist ein Patient z.B. in der Lage, einen Ausdruck des Ekels mit "ihh" zu äußern, kann aber der Aufforderung, ein /i/ zu sprechen,
trotz großen Bemühens nicht nachkommen. Eine Sprechapraxie tritt fast immer in Kombination mit einer Aphasie auf.

 

Stottern

Stottern äußert sich in Form von unfreiwilligen Wiederholungen von Lauten und Silben ("Babababall") sowie als Dehnungen ("Fffffisch")
oder Blockierungen von Lauten (stummes Verharren vor oder in einem Wort, wobei Zeichen von Anstrengung sichtbar oder hörbar sein
können: "---Tisch").
Diese Symptome werden Kernsymptomatik genannt, da sie das eigentliche Stottern darstellen.
In Kernsymptomen verlieren Stotternde für einen Moment die Kontrolle über den Sprechablauf, obwohl sie genau wissen,
was sie in diesem Moment sagen wollen. Es gibt - meist unbewusste - Strategien, um solche Symptome zu kontrollieren, z.B.

Ankämpfverhalten

Ankämpfverhalten, d.h. der Versuch, mit erhöhtem Kraftaufwand (z.B. Pressen, lauter werden), "Tricks" bei der Atmung
(z.B. übertrieben aus- oder einatmen, mit zu wenig oder zuviel Luft sprechen) und Mitbewegungen (z.B. starkes Kopfnicken)
aus einem Symptom heraus zu kommen.

Strategien

Strategien, um Stottern vorzubeugen, d.h. Vermeiden von Sprechsituationen bzw. Umformulieren bei gefürchteten Wörtern oder
prophylaktische Veränderung der Sprechweise wie Flüstern, Singsang oder "Tricks" bei der Atmung (s. o.).

Psychische Reaktionen wie Sprechangst, Wut oder Trauer über das Versagen beim Sprechen, Selbstabwertung als Sprecher,
Scham und Hilflosigkeit können hinzukommen. Häufig wird die Lebensqualität durch psychische Reaktionen stark beeinträchtigt,
selbst wenn die Kernsymptomatik nur gering ist oder durch Vermeidung völlig verborgen werden kann.

Typisch für den Verlauf ist der Wechsel von symptomarmen Phasen mit Episoden stärkerer Symptomatik. Ebenso typisch ist,
dass das Stottern in unterschiedlichen Situationen und bei unterschiedlichen Personen verschieden ausgeprägt sein kann.

 

Poltern

Bei Poltern ist die Verständlichkeit des Gesprochenen durch eine phasenweise überhöhte Sprechgeschwindigkeit mit Auslassungen und
Verschmelzungen von Lauten, Silben oder Wörtern ("zum Beispiel" wird "Zeispiel") beeinträchtigt. Außerdem treten viele Satzabbrüche,
Umformulierungen und Floskeln sowie stotterähnliche Redeunflüssigkeiten auf, so dass trotz des Eindrucks von hoher Sprechgeschwindigkeit
oft nur wenig Inhalt vermittelt werden kann.

Bei bewusst verlangsamtem Sprechen reduziert sich die Symptomatik. Das Sprechen kann jedoch nicht langfristig kontrolliert werden.
In Verbindung mit Poltern treten häufig auch bei Erwachsenen noch Sprachstörungen auf (Suche nach Wörtern, eingeschränkter Wortschatz,
Störung der Grammatik). Polternde können oft das eigene Sprechen schlecht beobachten - die Störung ist ihnen häufig nicht oder
nur ansatzweise bewusst. Manchen Polternden fällt auch das Zuhören schwer. Poltern wird gesellschaftlich nicht stigmatisiert,
der damit verbundene Leidensdruck ist meist gering. Die Behinderung durch die eingeschränkte Verständlichkeit kann jedoch erheblich sein.
Stottern und Poltern können auch zusammen auftreten.

 

Organische Stimmstörung

Als organische Stimmstörungen werden Erkrankungen bezeichnet, bei denen es zu einer organischen Veränderung im Bereich des
Stimmapparates kommt (Knötchen, Entzündungen, Ödeme, Veränderungen durch Unfälle oder Operationen, Lähmungen oder Teilentfernungen
der Stimmlippen - im schwerwiegendsten Fall Kehlkopfentfernungen - bei Kehlkopfkrebs). Die Stimme ist meist stark heiser und kann
teilweise oder ganz ausbleiben, es kann zu Doppeltönigkeit kommen oder zu starker Behauchung, je nach Ursache und Ausmaß der Störung.

 

Funktionellen Stimmstörung

Bei funktionellen Stimmstörungen ist keine organische Veränderung erkennbar, doch das Schwingungs- und Schließungsverhalten
der Stimmlippen ist gestört. Funktionelle Stimmstörungen sind die häufigsten Stimmstörungen und kommen meist bei Berufssprechern
(Lehrern, Erziehern, Call-Center-Mitarbeiter etc.) vor. Aufgrund von z. B. falschem oder ungünstigem Stimmgebrauch, durch ein eher "zartes"
Kehlkopfgerüst, durch Überlastung (zu viel und zu lautes Sprechen), Umweltbelastungen (Sprechen in zu trockenen Räumen, gefährliche Stäube
- wie z.B. Kohle, Mehlstaub etc.), durch psychische Belastungen (Stress, Überlastung, Konflikte etc.) können Stimmstörungen entstehen.
Werden funktionelle Stimmstörungen nicht behandelt, können sekundär organische Stimmstörungen (Knötchen) auftreten.
Funktionelle Stimmstörungen sind immer in Zusammenhang mit dem psychosozialen Umfeld und Faktoren der Persönlichkeit zu sehen.

 

Hyper- und hypofunktionelle Störung

Es wird zwischen hyper- und hypofunktionelle Störungen unterschieden.
Bei einer hyperfunktionellen Stimmstörung ist die Stimme heiser, rau, gepresst, angestrengt und ermüdet bei Belastung.
Sie kann zu tief, aber auch zu hoch sein. Die Körperspannung ist meist erhöht (zumindest im Schulter-Nacken-Kiefer-Bereich),
es besteht eine Hochatmung und beim Sprechen meist eine Schnappatmung.
Die hypofunktionelle Stimmstörung zeichnet sich durch eine heisere, schwache und behauchte Stimme aus.
Die Artikulation ist meist undeutlich. Die Körperspannung ist unterspannt und die Atmung eher flach.
Es kann auch zu Mischformen von hyper- und hypofunktionellen Stimmstörungen kommen und bei längerem Bestehen kann sich sekundär
aus einer hyperfunktionellen Störung eine hypofunktionelle entwickeln und umgekehrt.

 

Psychogene Stimmstörung

Eine psychogene Stimmstörung kann sich in ihrem Klangbild hyper- oder hypofunktionell äußern.
Meist spiegelt sich der auffällig heisere und angestrengte bzw. kraftlose Klang der Stimme nicht demgemäß im ärztlichen Untersuchungsbefund.
Ursache der Stimmveränderung sind psychische Probleme oder Störungen.

 

Stimmstörungen durch hormonelle Einflüsse

Durch hormonelle Einflüsse (Anabolika, Geschlechtshormone - z.B. bei einer Brustkrebsbehandlung oder bei Geschlechtsumwandlungen etc.)
können Stimmstörungen entstehen, die meist Veränderungen der Stimmhöhe und der Leistungsfähigkeit der Stimme zur Folge haben,
welche oft auch nach Absetzen der Substanzen weiter bestehen.

 

Schluckstörungen

Schluckstörungen können durch neurologische Erkrankungen wie z.B. multiple Sklerose auftreten. Wesentliches Merkmal sind senso-motorische
Veränderungen, d.h. die Beweglichkeit und/oder die Wahrnehmung (Sensibilität) der Mund- und Schluckmuskulatur ist beeinträchtigt.
Durch gestörte Nervenaktivität kommt es zu Schwierigkeiten bei der Koordination des Schluckvorganges. Viele Patienten zeigen Lähmungen,
durch die sie den Mund z.B. nur schwer schließen können, oder es gelingt ihnen nur unzureichend, die Nahrung zu zerkleinern.
Andere Patienten, die Probleme nach operativen Eingriffen im Kehlkopf- oder Mundbereich z. B. durch Krebserkrankungen haben,
können nur verbliebene Muskelstrukturen für die Nahrungsaufnahme verwenden. Organische Schluckstörungen können unterschiedliche
Störungsschwerpunkte haben, je nach pathologischer Muskelaktivität. Manche Patienten zeigen eine eher kraftlos wirkende,
wenig aktive Muskulatur, andere erscheinen eher verspannt durch zu hohe Muskelaktivität.

 

Quelle:www.dbl-ev.de

?>